Sie wollen einen Laden eröffnen – und haben das Gefühl, dass Sie irgendetwas Wichtiges vergessen könnten? Genau dafür gibt es diese Checkliste. Sie führt chronologisch durch alle Schritte: von der ersten Geschäftsidee über Standortsuche, Gewerbeanmeldung und Ladenbau bis zum Eröffnungstag.
Der typische Zeitrahmen liegt bei 6 bis 12 Monaten – je nachdem, ob ein bestehendes Geschäftslokal übernommen oder ein kompletter Umbau geplant wird. In Österreich kommen je nach Bundesland und Branche unterschiedliche Anforderungen dazu: Betriebsanlagenrecht, Hygienevorschriften, Gastgewerberecht (Gewerbeordnung 1994, §§ 111 ff) oder branchenspezifische Genehmigungen.
Was Sie erwartet: Ein kompakter Zeitstrahl als Schnelleinstieg, danach die ausführliche Checkliste Schritt für Schritt – mit konkreten To-dos, Mini-Tipps und häufigen Fehlern.
Die Inhalte basieren auf Erfahrungswerten aus über 100 Eröffnungsprojekten im Ladenbau – von kleinen Fachgeschäften bis zu Filialkonzepten. Keine Theorie, sondern das, was sich in der Praxis bewährt hat.
Die Checkliste ist chronologisch aufgebaut - lesen Sie sie zuerst einmal komplett durch, bevor Sie in die Umsetzung gehen. So erkennen Sie früh, welche Schritte voneinander abhängen (z. B. Mietvertrag vor Ladenbau-Beauftragung, Genehmigungen vor Umbaubeginn).
Markieren Sie jeden Punkt als "Must-have" oder "Optional" - nicht alles ist für jede Branche gleich relevant.
Ergänzen Sie bei jedem To-do drei Angaben: Deadline, verantwortliche Person, Status (offen / in Arbeit / erledigt).
Klären Sie vorab die Rollenverteilung: Gründer:in, Steuerberatung, Vermieter:in, Ladenbau-Partner, Marketingagentur, Rechtsberatung.
Je früher Sie die Verantwortlichkeiten festlegen, desto weniger bleibt an Ihnen persönlich hängen. Das klingt banal - ist aber einer der häufigsten Gründe, warum Eröffnungen ins Stocken geraten: Alles bleibt an einer Person kleben, und irgendwann gehen Dinge unter.
Nutzen Sie die Checkliste als lebendiges Arbeitsdokument. Haken Sie ab, notieren Sie Änderungen, und sprechen Sie offene Punkte regelmäßig mit Ihren Partnern durch.
Bevor Sie in die Details gehen, hier der Zeitstrahl im Schnelldurchlauf. Er zeigt Ihnen, wann welche großen Themen anstehen - die ausführlichen To-dos folgen danach.
Dieser Zeitplan ist ein Richtwert. Je nach Projektgröße und Genehmigungslage kann sich der Ablauf verschieben - wichtig ist, dass die Reihenfolge stimmt.
Jetzt geht es ins Detail. Die folgenden zwölf Schritte decken alles ab - von der Idee bis zum Eröffnungstag. Jeder Abschnitt enthält eine prüfbare Checkliste und einen Praxis-Tipp.
Alles beginnt mit der Frage: Für wen machen Sie das - und warum sollten diese Menschen ausgerechnet zu Ihnen kommen? Bevor Sie einen Mietvertrag unterschreiben oder Einrichtung planen, brauchen Sie Klarheit über Sortiment, Positionierung und Zielkund:innen.
Definieren Sie Ihr Kernsortiment und Ihr Randsortiment. Was ist Ihr Frequenzbringer - also das Produkt oder Angebot, das Menschen regelmäßig zu Ihnen führt? Was ist Ihr USP gegenüber dem Onlinehandel und dem stationären Wettbewerb in der Umgebung?
Schauen Sie sich an, wer Ihre Zielkund:innen sind: Alter, Kaufkraft, Einkaufsverhalten, Bedürfnisse. Und gleich danach: Welche Lage passt dazu? Ein Fachgeschäft für Laufschuhe hat andere Standortanforderungen als ein Blumenladen oder ein Concept Store.
Das Sortiment ist zu breit, die Positionierung zu unklar. Wer "alles für alle" anbieten will, hat am Ende kein Profil - und wird weder online noch vor Ort gefunden.
Ohne solide Kalkulation fliegen Ihnen die Kosten um die Ohren - nicht am Eröffnungstag, sondern drei Monate danach. Der Businessplan ist Ihr Steuerungsinstrument, nicht nur ein Dokument für die Bank.
Kalkulieren Sie sauber die Fixkosten (Miete, Personal, Versicherung, Leasing) und die variablen Kosten (Wareneinsatz, Verpackung, Marketing). Berechnen Sie den Break-even: Ab welchem Monatsumsatz tragen Sie sich? Und planen Sie die Liquidität für mindestens 6, besser 12 Monate voraus.
Die typischen Investitionsposten für einen stationären Laden:
Den Posten "Ladenbau & Einrichtung" unterschätzen die meisten. Holen Sie sich frühzeitig eine realistische Einschätzung - bevor Sie den Mietvertrag fixieren.
Der Standort ist keine Bauchentscheidung. Er bestimmt, wie viele Menschen Ihren Laden sehen, ob sie stehen bleiben - und ob die Fläche zu Ihrem Konzept passt. Und der Mietvertrag legt fest, was Sie darfst, was Sie müssen und was es kostet.
Standort prüfen: Passantenfrequenz zu verschiedenen Tageszeiten messen. Sichtbarkeit von der Straße und aus der Fußgängerzone. Parkmöglichkeiten und ÖV-Anbindung. Nachbarschaft: Gibt es Ankermieter (Supermarkt, Drogerie), die Frequenz bringen?
Fläche bewerten: Frontbreite (entscheidet über Schaufensterwirkung), Raumtiefe, Nebenflächen für Lager, Büro und Sanitär. Wie sieht die Anlieferung aus? Gibt es bauliche Einschränkungen (Säulen, Stufen, niedrige Decken)?
Mietvertrag verhandeln: Achten Sie besonders auf: Mietdauer und Kündigungsfristen, Staffelmiete oder Wertsicherungsklausel, Regelung zu Umbauten und Einbauten, Übergabezustand und Übergabeprotokoll.
Mietvertrag unterschrieben, bevor geklärt ist, ob der gewünschte Umbau genehmigungsfähig ist. Das kann teuer werden - im schlimmsten Fall steht die Eröffnung auf der Kippe.
Die Geschäftseröffnung und ihre Vorbereitung in Österreich beginnt formal mit der Gewerbeanmeldung. Ob freies oder reglementiertes Gewerbe - das entscheidet, welche Nachweise Sie brauchen.
Freie Gewerbe (z. B. Handel mit Waren aller Art) können Sie bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde anmelden - ohne besonderen Befähigungsnachweis. Bei reglementierten Gewerben (z. B. Gastgewerbe gemäß §§ 111 ff GewO 1994) brauchen Sie einen Befähigungsnachweis oder eine:n gewerberechtliche:n Geschäftsführer:in.
Typische Themen, die Sie parallel klären müssen:
Wichtig: Rechne mit 4 bis 8 Wochen für behördliche Verfahren - und starte damit, bevor der Umbau beginnt.
Klären Sie das Thema Betriebsanlage noch vor der Unterschrift des Mietvertrags. Manche Standorte haben Einschränkungen, die Ihr Konzept betreffen - z. B. Öffnungszeiten, Geruch oder Lärm.
Wenn der Investitionsrahmen steht, geht es an die Finanzierung. In der Praxis ergibt sich meist ein Mix aus Eigenmitteln, Bankfinanzierung und - je nach Projekt - Leasing für Einrichtung oder Technik.
Erstellen Sie einen konkreten Zahlungsplan: Wann werden welche Beträge an welche Partner fällig? Ladenbau-Projekte haben in der Regel Meilenstein-Zahlungen (z. B. bei Beauftragung, Lieferung und Abnahme). Stimmen Sie den Zahlungsplan mit Ihrem Liquiditätsplan ab.
Zum Thema Förderungen: In Österreich gibt es Instrumente wie das Neugründungsförderungsgesetz (NeuFöG). Darüber hinaus bieten die Austria Wirtschaftsservice (AWS) und regionale Wirtschaftsförderungen je nach Bundesland und Branche Zuschüsse oder günstige Darlehen.
Die Liquidität reicht für den Umbau - aber nicht für die ersten Monate Betrieb. Planen Sie die Anlaufphase konservativ und halte Reserven zurück.
Einen Laden einzurichten bedeutet, viele Gewerke zu koordinieren: Boden, Wände, Elektrik, Beleuchtung, Möbelbau, Kassa-Infrastruktur, Beschilderung. Sie haben zwei grundsätzliche Optionen:
Einzelvergabe: Sie beauftragen jedes Gewerk separat. Das kann günstiger sein - aber Sie tragen die gesamte Koordination, alle Schnittstellen und das Terminrisiko selbst.
Generalunternehmer (GU): Ein Ansprechpartner koordiniert Planung, Gewerke, Lieferung und Montage. Sie bekommen einen Zeitplan, ein Gesamtangebot und klare Verantwortlichkeiten.
Entscheidend beim Angebotsvergleich: Stell sicher, dass die Leistungsbilder vergleichbar sind. Was ist enthalten - und was nicht?
Aus Erfahrung aus über 100 Eröffnungsprojekten im Ladenbau wissen wir bei VRANA: Die meisten Verzögerungen entstehen nicht durch einzelne Gewerke, sondern an den Schnittstellen dazwischen.
Fragen Sie nicht nur nach dem Preis, sondern nach dem Projektablauf. Wie läuft die Kommunikation? Wer ist Ihr Ansprechpartner? Wie werden Änderungen gehandhabt?
Ein gutes Layout verkauft. Ein schlechtes produziert tote Zonen, an denen Ware verstaubt. Die Planung Ihres Ladenlayouts ist kein "Nice-to-have" - sie entscheidet, wie sich Kund:innen durch den Raum bewegen, was sie sehen und wo sie verweilen.
Zonierung: Definieren Sie klare Bereiche - Eingangszone, Fokuszone (Bestseller, Neuheiten), Mittelraum, Kassenbereich (Mitnehm-Artikel, Abschluss), Beratungszone.
Kundenführung: Über Wegeführung, Blickachsen und die Platzierung von Warenträgern steuern Sie, wohin der Blick fällt und wo Menschen stehen bleiben.
Licht: Grundlicht schafft Orientierung, Akzentlicht setzen Ware in Szene. Planen Sie das Beleuchtungskonzept gemeinsam mit dem Layout.
3D-Visualisierung: Eine realistische Darstellung des geplanten Shops hilft Ihnen, Entscheidungen zu treffen, bevor die erste Schraube sitzt. Fehler lassen sich am Bildschirm deutlich günstiger korrigieren als auf der Baustelle.
Die Kassa steht direkt am Eingang - was dazu führt, dass Kund:innen den Laden nur halb durchwandern. Positioniere die Kasse so, dass der natürliche Laufweg durch den gesamten Raum führt.
Sobald die Planung steht, geht es in die Umsetzung. Und hier zählt ein realistischer Bauzeitplan mehr als jede ambitionierte Eröffnungsankündigung.
Der kritische Pfad sieht typischerweise so aus: Genehmigungen abwarten → Rohbau-/Abbrucharbeiten → Technik (Elektrik, Lüftung, Sanitär) → Oberflächen (Boden, Wände, Decke) → Einrichtung und Montage → Feinarbeiten → Abnahme.
Lieferzeiten bedenken: Sonderanfertigungen im Möbelbau brauchen 4-8 Wochen, spezielle Beleuchtung oder Kassentheken oft ähnlich lang. Bestellen Sie frühzeitig - idealerweise parallel zur Bauphase.
Planen Sie Pufferzeiten ein: Jede Baustelle bringt Überraschungen. Eine Woche Puffer zwischen Fertigstellung und Eröffnungstag ist das absolute Minimum.
Planen Sie die Elektro- und Netzwerkverkabelung ganz am Anfang - nicht am Ende. Nachträgliche Änderungen an der Elektrik sind der häufigste Grund für Verzögerungen und Mehrkosten.
Die schönste Einrichtung bringt nichts, wenn die Kassa am Eröffnungstag nicht funktioniert oder das WLAN für die Kartenzahlung ausfällt. Technik und Prozesse gehören parallel zur Einrichtung geplant.
Kassa/POS: Wählen Sie ein System, das zu Ihrem Sortiment passt - und teste es vor der Eröffnung gründlich. Kartenzahlung (Bankomat, Kreditkarte, kontaktlos) ist heute Pflicht.
Sicherheit: Diebstahlschutz, Zutrittskontrolle, Alarmanlage und ggf. Videoüberwachung - wobei Sie bei Letzterer die DSGVO-Vorgaben beachten müssen.
Backoffice: Wie läuft der Wareneingang? Wo wird kommissioniert? Wie wird inventarisiert? Diese Prozesse brauchen Sie als dokumentierte Grundstruktur vor dem ersten Tag.
Das Kassensystem wird eine Woche vor Eröffnung aufgesetzt. Dann fehlt die Zeit, Artikel einzupflegen, das Team zu schulen und Schnittstellen zu testen. Starte damit mindestens 3-4 Wochen vorher.
Die Erstbestückung entscheidet über den ersten Eindruck - und über die ersten Wochen Umsatz. Bestellen Sie nicht alles, was Sie langfristig führen wollen, sondern fokussiere Sie auf Ihre Renner und eine attraktive Sortimentsbreite für den Start.
Mengenplanung: Lieber in der Tiefe reduzieren und dafür die Breite abdecken. Ein gut gefüllter, aber nicht überladener Laden wirkt professioneller als ein halbvolles Regal mit Einzelstücken.
Preisauszeichnung: In Österreich gilt die Pflicht zur Preisauszeichnung. Bereite Etiketten, Preisschilder und ggf. digitale Displays vor der Eröffnung vor.
Schaufenster: Ihr Schaufenster ist Ihr erster Verkäufer. Es muss neugierig machen - nicht alles zeigen. Planen Sie ein klares Thema, reduziere auf wenige Produkte und wechsle regelmäßig.
Visual Merchandising Basics: Arbeite mit Blickfängen auf Augenhöhe, bilde Themeninseln und nutze Cross-Selling-Platzierungen.
Fotografieren Sie Ihr Schaufenster und Ihre Warentische vor der Eröffnung - aus Kundenperspektive, nicht von hinten. Was Sie dabei sehen, sehen auch Ihre Kund:innen.
Eröffnungsmarketing beginnt nicht am Eröffnungstag - sondern Wochen davor. Und es endet nicht danach, sondern geht nahtlos in Ihr laufendes Marketing über.
Eröffnungsmarketing erst eine Woche vorher starten. Dann ist keine Reichweite da - und am Eröffnungstag kommt nur, wer zufällig vorbeigeht.
Der Eröffnungstag ist der Tag, an dem alles zusammenkommt - und an dem Sie selbst möglichst wenig improvisieren sollten. Je besser der Ablaufplan, desto ruhiger der Tag.
Am Morgen: Team-Check-in. Alle kennen ihre Rolle: Wer steht an der Kassa, wer berät, wer kümmert sich um Nachfüllen, wer macht Fotos für Social Media?
Letzte 60 Minuten vor Öffnung:
Notfallplan: Was tun, wenn das Kartenterminal ausfällt? Wenn ein Lieferant nicht kommt? Wenn der Andrang größer ist als erwartet? Kurze Lösungen vorab festlegen.
Planen Sie den Eröffnungstag nicht gleichzeitig als "Tag der offenen Tür" mit Buffet, Reden und vollem Programm. Weniger ist mehr - die beste Eröffnung ist die, bei der Ihr Team souverän wirkt und die Kund:innen sich willkommen fühlen.
Aus der Erfahrung vieler Ladenbau-Projekte tauchen diese Fehler immer wieder auf. Keiner davon ist ein Weltuntergang - aber jeder kostet Zeit, Geld oder Nerven.
Mietvertrag unterschrieben, bevor Umbau und Genehmigung geklärt sind. Dann zahlen Sie Miete, können aber nicht starten.
Auf jeder Baustelle gibt es Überraschungen. 10-15 % Reserve sind kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung.
Sonderanfertigungen brauchen Wochen. Wer zu spät bestellt, verschiebt die Eröffnung - oder eröffnet halbfertig.
Der Grundriss sieht am Papier gut aus, aber in der Praxis entstehen tote Zonen, an denen niemand vorbeikommt.
Steckdosen, Netzwerk, Kassenverkabelung und Beleuchtungskonzept müssen vor dem Innenausbau stehen.
Google Unternehmensprofil, Social Media und lokale Presse brauchen Vorlauf. Wer erst eine Woche vorher anfängt, verschenkt Reichweite.
Ein, zwei Tage zwischen Bauende und Eröffnung reichen nicht für Bestückung, Feinschliff und Teambriefing. Planen Sie mindestens eine Woche ein.
Kassensystem, Kartenzahlung, Warenwirtschaft - alles, was am ersten Tag laufen muss, vorher im Echtbetrieb testen.

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